Der Radbrückenbauer

Von 1988 bis 2025 war Peter Moosbrugger Radbeauftragter des Landes und hat buchstäblich und metaphorisch Brücken für den Radverkehr gebaut. Zu seiner Pensionierung blicken wir mit ihm auf 37 Jahre Radverkehrsplanung in Vorarlberg.

Im Folgenden lesen Sie die gekürzte und in unserer Institutszeitschrift max50 im Dezember 2025 veröffentlichte Version des Gesprächs, das unser Geschäftsführer Martin Reis mit Peter Moosbrugger geführt hat. Die vollständige Zusammenfassung für die Feinspitze des Radwesens in Vorarlberg finden Sie hier.

Energieinstitut: Peter, du warst gefühlt schon immer der Radbeauftragte des Landes…

Peter Moosbrugger: (lacht) Ja, 1988 habe ich die Stelle offiziell angetreten und bis heuer ausgefüllt. In dieser Zeit hat sich die Sicht auf den Radverkehr grundlegend geändert. Anfangs war man in der Freizeit mit dem Rad unterwegs, oder wenn man kein Auto hatte. Heute wird jeder vierte Alltagsweg mit dem Rad zurückgelegt. Und in manchen Regionen sind es noch mehr.

Peter Moosbrugger: Vorarlbergs langjähriger Radverkehrsbeauftragter.

Wie bist du eigentlich zur Radverkehrsplanung gekommen?

Ich habe 1978 im Landesstraßenbauamt angefangen und vor allem Pläne gezeichnet. Dann bei den ersten Projekten mitgearbeitet, bei denen das Rad ein Thema war. Die Funktion als Radbeauftragter wurde 1988 geschaffen, weil der zuständige Landesrat Hans-Dieter Grabher begeisterter Rennradler war. Ich war die einzige Bewerbung auf die Stelle, Bekannte haben den Kopf geschüttelt und mir gesagt, das mit dem Radverkehr habe doch keine Zukunft. Kein Mensch hätte zu der Zeit gedacht, welche Rolle das Rad im Alltag 30 Jahre später haben würde. Mir war das egal, denn Radfahren war schon damals meins.

Kein Mensch hätte Ende der 80er gedacht, welche Rolle das Rad im Alltag 30 Jahre später spielen würde.
Peter Moosbrugger über die Anfänge seiner Laufbahn

Das Rad war also für die Freizeit da?

Ja, der Fokus lag klar auf dem Radfahren als Freizeitaktivität. Das Radwegenetz wurde auf bestehenden und halbwegs befahrbaren Straßen und Wegen zusammengestöpselt. Erst 1993 gab es dann im Land zusätzlich zum Freizeitradverkehr eine Haushaltsstelle für Projekte im Alltagsradverkehr.

Bahn frei für die ersten Alltagsradwege?

Tatsächlich wurde 1993 mit der Planung des Radwegs auf der Wälderbahntrasse zwischen Egg und Andelsbuch begonnen, mein erstes ganz wichtiges Projekt. Es wurde nicht nur als Freizeit-, sondern auch als Alltagsradroute geplant und 1995 fertiggestellt. Und weil es nach anfänglicher Skepsis sehr gut angenommen wurde, konnten wir die Route bis nach Schoppernau weiterziehen und dann schließlich in den 2010er-Jahren von Egg bis Bozenau talauswärts verlängern. Diese zehn Kilometer waren die längste Baustelle, die wir je hatten.

Google Maps
Der Radweg entlang der Bregenzerach von Egg bis Bozenau war die längste Baustelle, die Peter Moosbrugger abgewickelt hat.

Haben nicht auch Brücken immer eine wichtige Rolle gespielt?

Die Radbrücke von Gaißau über den Alten Rhein nach Rheineck in die Schweiz war ein wichtiges Projekt in der Frühphase. Die Zusammenarbeit mit der Schweiz war sehr gut und Brücken sind wichtig für den Grenzverkehr. Insofern hoffe ich, dass es gelingt, den Bau der Radbrücke zwischen Lustenau und Au umzusetzen. Aber auch innerhalb des Landes sind Radbrücken wichtig. Die zwischen Bregenz und Hard ist ein Meilenstein. Die Brücke selbst und vor allem, dass es gelungen ist, auch die Zulaufstrecken in hoher Qualität zu bauen.

Wenn ich sehe, wie Eltern mit ihren Kindern sicher unterwegs sind, geht mir das Herz auf.
Peter Moosbrugger über die Radbrücke Bregenz - Hard

Das Projekt war so komplex, dass es nur umgesetzt werden konnte, weil das Land in den Lead gehen durfte. Dabei haben wir auf eine neue Planungsphilosophie gesetzt, bei der von Einzelprojekten auf eine regional abgestimmte Netzplanung umgestellt wurde. Das Projekt macht mir immer noch viel Freude, weil es sowohl für den Freizeit- als auch den Alltagsverkehr so viel leistet. Wenn ich sehe, wie Eltern mit ihren Kindern sicher unterwegs sind oder wenn sich jemand im Rollstuhl über die kurze Verbindung freut, dann geht mir das Herz auf. 

Land Vorarlberg
Die Radbrücke zwischen Bregenz und Hard ist eine Ikone im Vorarlberger Radwegebau.

Planungsstandards haben sich im Lauf der Zeit geändert, oder?

Ich sage einmal, was sich nicht geändert hat: Das sind die Bedürfnisse der Menschen auf dem Fahrrad. Und die waren immer der Maßstab für meine Planungen. Und weil Radinfrastruktur über mehrere Jahrzehnte ausgelegt wird, muss ich mir auch überlegen, wie das in 30 Jahren noch funktionieren kann. Es muss zum Beispiel auch bei hohem Verkehrsaufkommen Spaß machen, auf dem Radweg unterwegs zu sein.

Ist das auch ein Grund, warum in Vorarlberg österreichweit am meisten geradelt wird?

Ich könnte jetzt sagen, das liegt an den guten Radwegen. Sicher auch. Aber vor allem liegt es an den vielen Menschen, die einfach gerne gesund, günstig und umweltfreundlich unterwegs sind.

Die besten Ideen hab' ich immer auf dem Rad gehabt.
Peter Moosbrugger

Hast du dich auch deshalb fast 40 Jahre lang für den Radverkehr in Vorarlberg eingesetzt?

Zu erleben, wie die Menschen in Vorarlberg eine gute Radinfrastruktur schätzen, war schon immer ein wichtiger Antrieb. Aber auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und die Gespräche mit unterschiedlichen Interessensvertretungen waren immer spannend und motivierend. Denn es wurde Verständnis und Vertrauen aufgebaut und am Schluss oft eine gute Lösung gefunden. Aber natürlich auch, weil ich einfach selbst wahnsinnig gerne mit dem Rad fahre. Da kann ich abschalten, nachdenken, kreativ sein. Die besten Ideen hab‘ ich immer auf dem Rad gehabt.

Dieses Gespräch erschien in der 78. Ausgabe unserer Institutszeitschrift max50. max50 erscheint zweimal im Jahr und kann hier kostenlos abonniert werden.

veröffentlicht 05.12.2025