E-Busse im Linienverkehr: Erfahrungen aus Vorarlberg
Leonard Lechner vom Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) berichtet, wie die Umstellung der Linienbusse geplant und umgesetzt wurde – und was sie gebracht hat.
Ausgangslage: gesetzliche Quoten und Landesziele
Ausgangspunkt war die EU-Richtlinie über saubere Straßenfahrzeuge (Clean Vehicles Directive), in Österreich umgesetzt durch das Straßenfahrzeug-Beschaffungsgesetz. Es schreibt Mindestanteile sauberer Stadtbusse (Fahrzeugklasse M3, Klasse I) bei der Beschaffung vor: 45 Prozent im Zeitraum 2021 bis 2025 und 65 Prozent im Zeitraum 2026 bis 2030. Parallel verfolgt die Landesstrategie „Energieautonomie+“ das Ziel, die Emissionen im öffentlichen Verkehr bis 2030 um 90 Prozent zu senken.
Warum E-Busse statt Wasserstoff?
Für batterieelektrische Busse sprachen laut Lechner die niedrigeren Fahrzeugkosten, die einfache Verfügbarkeit von Strom, die vielen Bus-Umläufe, die sich aufgrund ihrer Streckenlänge, Fahrzeiten, Standzeiten und Lademöglichkeiten gut für den Einsatz von Elektrobussen eignen und die geringeren Investitionen in die Lade- bzw. Betankungsinfrastruktur.
Umsetzung im Konsortium VERDE
Die Umstellung erfolgte unternehmensübergreifend: Die acht Busunternehmen schlossen sich mit illwerke vkw als Ladeinfraustrukturpartnerin und dem VVV als Konsortialführer zu VERDE zusammen („Vorarlberger E-Busse für Regionale Dekarbonisierung“).
Grundlage für die Planung der Ladeinfrastruktur waren sogenannte SOC-Simulationen (State of Charge). Sie prognostizieren den Batterieladezustand auf den einzelnen Fahrten und bilden Fahrpläne, Pausenzeiten und Reichweiten ab. Daraus ergaben sich die nötige Anschlussleistung der Depots und die Zahl der Ladepunkte. Geladen wird über Nacht im Depot (Overnight Charging) mit bis zu 150 kW, bei Bedarf ergänzt durch Zwischenladen in den Lenkpausen („Opportunity Charging“).
E-Busse wurden ausschließlich dann angeschafft, wenn Altfahrzeuge ersetzt werden mussten oder das Fahrplanangebot gezielt erweitert wurde. Die Beschaffung erfolgte nach dem Lastenheft des VVV, das technische Anforderungen, Ausstattung und Design der Fahrzeuge festlegt. Heute umfasst das Ladenetz 16 Standorte: 14 Busdepots sowie zwei öffentliche Ladeparks in Feldkirch und Rankweil.
Bilanz und Herausforderungen
Der VVV ist mit den E-Bussen sehr zufrieden. Sie fahren zuverlässiger als Diesel-Busse und verursachen geringere Betriebskosten. Pro Fahrgast lassen sich bis zu 85 % der CO₂-Emissionen einsparen, die Vorkette eingerechnet. Herausfordernd waren vor allem die Abstimmung zwischen den vielen beteiligten Unternehmen, die Genehmigungsverfahren – etwa unterschiedliche Brandschutzanforderungen und Betriebsanlagengenehmigungen – sowie die Abstimmung von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur einschließlich der Positionierung der Ladesäulen.