E-Mobilität in der Gemeinde - ein Nachbericht zum e5-Themenforum

Können E-Fahrzeuge als Stromspeicher dienen? Welche Fahrzeuge eignen sich für den kommunalen Fuhrpark – und wie lässt sich eine Anschaffung wirtschaftlich begründen? Antworten dazu und weitere spannende Inputs rund um die E-Mobilität gab es beim e5-Themenforum Mitte September 2026.

Energieinstitut Vorarlberg

Von der Planung öffentlicher Ladeinfrastruktur über das bidirektionale Laden bis zu konkreten Erfahrungen aus Busbetrieb und Bauhof. Zahlreiche Interessierte aus den e5-Gemeinden informierten sich beim e5-Themenforum "E-Mobilität in der Gemeinde" über den aktuellen Stand zum Thema. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

Ladeinfrastruktur: der richtige Standort zählt mehr als die Anzahl

Lena Schwarz von Österreichs Leitstelle für Elektromobilität (ÓLE) stellte den kostenlosen Ladeplaner vor, mit dem Gemeinden bis 20.000 Einwohner*innen ihren Bedarf an Ladepunkten abschätzen können. Entscheidend sei aber nicht die Zahl der Ladepunkte, sondern ihre Lage. Florian Mahl von illwerke vkw bestätigte das aus Betreibersicht: Wenige gut ausgelastete Standorte seien wirtschaftlicher als viele verstreute Ladesäulen – zumal ab 2027 leistungsabhängige Netzentgelte gelten. Gemeinden sollten sich regional abstimmen und eine feste Ansprechperson benennen.

Bidirektionales Laden: Potenzial ja, Marktreife noch nicht

Fahrzeugakkus als Stromspeicher sind erst teilweise nutzbar. Die Versorgung einzelner Geräte aus dem Fahrzeug (Vehicle-to-Load, V2L) funktioniert heute schon. Die Einspeisung ins eigene Gebäude (Vehicle-to-Home, V2H) ist in Österreich seit 2026 möglich, allerdings nur mit wenigen freigegebenen Fahrzeug-Wallbox-Kombinationen. Mit der Rückspeisung ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid, V2G) rechnet Florian Mahl realistisch erst 2029/2030. Bis dahin empfiehlt er, auf AC-Laden zu setzen.

Öffentlicher Verkehr: E-Busse bewähren sich

Leonard Lechner (Verkehrsverbund Vorarlberg) berichtete von der Umstellung der Vorarlberger Busflotte. Acht Busunternehmen und illwerke vkw haben dafür das Konsortium VERDE gebildet. Die Bilanz: Die E-Busse fahren zuverlässiger, verursachen geringere Betriebskosten und sparen pro Fahrgast bis zu 85 % CO₂ ein.

Beschaffung und Wirtschaftlichkeit

Melanie Grauf zeigte, welche E-Pkw und E-Nutzfahrzeuge Gemeinden über den ÖkoBeschaffungsService Vorarlberg (ÖBS) rechtssicher beziehen können. David Madlener (Energieinstitut Vorarlberg) stellte mit EMIL einen Rechner vor, der Kosten und Treibhausgasbilanz von Verbrenner- und E-Fahrzeugen über die gesamte Nutzungsdauer vergleicht.

E-Mobilität am Bauhof

Christoph Breuer (Kairos) präsentierte den Leitfaden „Hinweise zur Umsetzung von Elektromobilität am Bauhof“. Das Angebot an E-Nutzfahrzeugen wachse, Anhängelast, Allradantrieb und Sonderaufbauten blieben aber Knackpunkte. Wie der Umstieg in der Praxis gelingt, zeigte Wilfried Amman am Beispiel des Bauhofs Rankweil, dessen Fuhrpark schrittweise elektrifiziert wird.

Diskussion: Wie gewinnt man die Mitarbeitenden?

In der Diskussion ging es vor allem um Akzeptanz. Wie lassen sich Vorbehalte wie „Reichweitenangst“ oder Zweifel an der Wintertauglichkeit ausräumen? Die Referierenden waren sich einig: Am besten überzeugen reale Anwendungsbeispiele und Probefahrten. Hilfreich sei zudem, Fahrzeuge nicht mehr einzelnen Personen zuzuordnen, sondern als gemeinsam genutzte Flotte zu organisieren.

Fazit

Die Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks ist mehr als der Tausch einzelner Fahrzeuge. Sie gelingt, wenn Bedarfsanalyse, Beschaffung, Ladeinfrastruktur und die Einbindung der Mitarbeitenden zusammen gedacht werden. Für kurze Einsatzstrecken und kleine bis mittlere Fahrzeuge sind E-Fahrzeuge vielfach schon heute die wirtschaftlichere Wahl. Beim bidirektionalen Laden lohnt es sich dagegen, die regulatorische Entwicklung abzuwarten.

Hier gibt es die wichtigsten Beiträge der Referenten im Detail

Der Online-Rechner EMIL des Energieinstitut Vorarlberg hilft beim finanziellen und ökologischen Vergleich von E-Autos mit Verbrennern - auch bei Nutzfahrzeugen.

Unter diesem Link stehen die verfügbaren ppt-Präsentationen der Referent*innen zum Download bereit

veröffentlicht 01.10.2026 , zuletzt geändert 02.10.2026