Photovoltaik und Gründach lassen sich gut kombinieren, wenn ein paar Regeln beachtet werden. Dann können sowohl die Stromproduktion als auch die ökologischen Lebensräume reibungslos funktionieren und beide Systeme ihre Synergien entfalten.

PV-Module mit Abstand zur Vegetation installieren

Ideal ist eine Aufständerung, bei der die untere Modulkante 30 cm über dem Substrat zu liegen kommt. Die Gefahr der Beschattung durch die Pflanzen wird so reduziert. Außerdem gestaltet sich die Pflege einfacher, da die Bereiche direkt vor der tieferen Modulkante besser erreichbar sind.

Neigung der PV-Module erhöhen

Eine erhöhte Neigung (ab etwa 10°) verbessert den Selbstreinigungseffekt der Module. Abfließendes Regenwasser wäscht Pollen etc. von der Moduloberfläche ab. Die Vegetation wird von den Modulneigungen kaum beeinflusst.

Pflege schon bei der Planung berücksichtigen

Für eine effiziente und funktionelle Pflege von kombinierten Anlagen (PV und Dachbegrünung) sollte der Reihenabstand zwischen den Modulen mindestens 50 cm betragen. Somit lassen sich problemlos schattenwerfende Pflanzen oder Gehölze entfernen und die Oberflächen der Module von Zeit zu Zeit reinigen. Die Wahl der Unterkonstruktion kann ebenfalls eine effiziente Pflegearbeit befördern. Bei V-förmigen Unterkonstruktionen liegen die bodennahe Metallschienen mittig unter den Modulen. Dadurch wird ein allfällig notwendiges Zurückschneiden von schattenwerfenden Pflanzen erleichtert und der Pflegeaufwand minimiert. Auch die Kabel der PV-Anlagen sollten so geführt werden, dass eine Pflege jederzeit möglich ist.

Durchwachsen bei Ost-West-Orientierung der Module verhindern

Ost-West-Module können in Form eines „Satteldachs“ oder eines „Schmetterlings“ ausgeführt werden. Bei einer Satteldach-Ausführung ist der Spalt zwischen den Modulen am „Giebel“ abzudecken, damit keine Pflanzen dazwischen aufwachsen können (siehe S. 12). Ähnliches gilt bei der Schmetterlings-Ausführung: Hier stoßen die beiden niedrigen Kanten der Module aneinander. Der Spalt zwischen den Modulen muss so schmal gewählt werden (max. 3 mm), dass Wasser ablaufen aber keine Pflanze durchwachsen kann. Auch eine perforierte Spaltabdeckung ist möglich.

Bewuchs durch Substrathöhen steuern und Besonderheiten der Solaranlage beachten

Die Höhe des Substrats ist entscheidend für die Ausprägung der Vegetation. Je höher die Schicht ist, desto mehr Wasser und Nährstoffe stehen den Wurzeln zur Verfügung. Es wird mehr Biomasse produziert, der Bewuchs wird dichter und tendenziell höher. Bei einem Gründach mit einer PV-Anlage ist daher auf die Höhenverteilung des Substrates zu achten: unmittelbar vor der Unterkante der Module ist wenig Substrat (etwa 6-8cm) auszubringen, in den Bereichen unter bzw. hinter den Modulen kann die Substrathöhe deutlich höher sein (bis zu 15 cm). So können sich auf engem Raum verschiedene Vegetationstypen ausprägen, ohne die Stromproduktion zu beeinträchtigen. Im Weiteren bestimmen auch Effekte der Solaranlage selbst das Wachstum von Pflanzen und deren Biomasse. Beschattung und Bereiche mit abfließendem Regenwasser von Modulen können zu erhöhtem Wachstum führen, welches in der Planung berücksichtigt werden muss.

Vor den Modulen niedrigwüchsige Pflanzen wählen

Mittel- bis langfristig stellt sich ein Bewuchs ein, der durch die Standortbedingungen mit der Substrathöhe und durch Effekte der PV-Anlage bestimmt ist. Die Vegetation besteht dabei aus den bewusst ausgesäten Arten, welche sich nach der Ansaat unter den Standortbedingungen etablieren konnten, sowie den hauptsächlich mit dem Wind eingetragenen Arten. Vor der tieferen Modulkante können niedrigwüchsige Arten wie Mauerpfeffer (Sedum sp.) Feldthymian (Thymus pulegioides), Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys) oder Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) angesät werden. So kann ein ausgewogener Bewuchs mit den sich spontan einfindenden Arten angestrebt werden.

Grafiken auf dieser Seite: Christian Reinhard

Zuletzt aktualisiert am 28. Mai 2021