Bewohnerbeteiligung als Erfolgsfaktor für Sanierung im Mehrwohnungsbau

Sanierungen greifen in den Alltag ein. Wer Bewohnerinnen und Bewohner früh informiert, aktiv einbindet und transparent kommuniziert, schafft Vertrauen und sorgt für einen reibungsloseren Ablauf.

Die Sanierung eines Mehrwohnungshauses, einer Wohnanlage oder einer bestehenden Siedlung bedeutet immer einen erheblichen Eingriff in  den Alltagsablauf der Bewohner und Bewohnerinnen - insbesondere dann, wenn die Sanierungsmaßnahmen in bewohntem Zustand durchgeführt werden.

Vor der Sanierung

Es ist empfehlenswert, die Mietparteien bereits im Vorfeld aktiv einzubeziehen. In Einzelgesprächen können Mieterinnen und Mieter ermutigt werden, ihre Ideen und Wünsche – im Rahmen der Möglichkeiten - einzubringen. Sie erhalten damit die Chance, die Sanierung als ihr Projekt wahrzunehmen und nicht nur als Belastung zu empfinden. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung sollte das Projekt erläutert und auf Fragen der Mieterinnen und Mieter eingegangen werden: Verständnis für ihre Sorgen und das Ausräumen von Vorbehalten fördern die Kooperationsbereitschaft, beispielsweise in Bezug auf Terminvereinbarungen.

Die Informationen vor der Sanierung sollten Orientierung geben:

  • Was sind Anlass und Zielsetzung der Maßnahmen?
  • Welche Verbesserungen sind erwartbar?
  • Zeitlicher Ablauf: Welche Schritte kommen und wann ungefähr?
  • Welche Belastungen wird es geben? Was bedeutet das voraussichtlich im Alltag?
  • Verantwortlichkeiten

Die Vor- und Nachteile der Sanierung verständlich vermitteln

Bewährt haben sich Argumentationslinien und Kernbotschaften, die unmittelbar an den Alltag anschließen:

  1. Wirtschaftlichkeit: Zusammenhang zwischen Investition, Betriebskosten und langfristiger Stabilität durch Energieeffizienz
  2. Versorgungssicherheit: geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und Preisschwankungen
  3. Wohnqualität: die Aussicht auf besseren Komfort, modernisierte Technik und ein insgesamt „ruhigeres“ Wohnen sind für viele Menschen überzeugender als technische Kennzahlen.

Auch die Belastung während der Sanierung muss ehrlich eingeordnet werden – inklusive der Maßnahmen, die getroffen werden, um Bauzeit, Staub und Lärm zu begrenzen und den Verbleib in der Wohnung zu ermöglichen.

Während der Sanierung

Die Bewohnerinnen und Bewohner spielen für den reibungslosen Ablauf der Sanierungsmaßnahmen eine wichtige Rolle. So benötigen einige Gewerke Zugang zu den Wohnungen. Das bedeutet, dass Termine koordiniert und Vorbereitungen für eine zügige Montage getroffen werden müssen.

Bewährt hat sich eine feste Ansprechperson, die während der gesamten Sanierung oft vor Ort ist und für die Anliegen der Mieterinnen und Mieter zur Verfügung steht – diese Rolle kann auch von externen Dienstleistern übernommen werden.

Regelmäßige kurze Updates tragen dazu bei, den Prozess für die Bewohnerinnen und Bewohner transparent und planbar zu machen. Besonders bei Änderungen oder Verzögerungen wirkt eine offene Kommunikation deeskalierend. Ergänzend unterstützen Visualisierungen wie einfache Skizzen, Vorher-Nachher-Darstellungen oder Ablaufgrafiken dabei, komplexe technische Maßnahmen anschaulich und verständlich zu vermitteln.

Nach der Sanierung

Nach der Sanierung verändert sich vieles, was über Jahre hinweg vertraut war. Um die angestrebten Energieeinsparungen zu erreichen, ist es wichtig, dass Mieterinnen und Mieter wissen, wie die neue Heiz- und Haustechnik richtig zu bedienen ist. Dafür eignen sich Informationsveranstaltungen, Merkblätter oder Erklärvideos.

Als Zeichen des Dankes für die Unterstützung und Zusammenarbeit während der Sanierungsphase wäre ein Einweihungsfest oder eine andere Form der Wertschätzung für die Mieterinnen und Mieter eine schöne Geste. 

Eine kompakte Zufriedenheitsbefragung nach einigen Monaten kann zudem wertvolle Hinweise zu Komfort, wahrgenommenen Betriebskosten, möglichen Bedienproblemen und zur Prozessqualität liefern – und zeigt zugleich, dass die Erfahrungen der Bewohnerinnen und Bewohner ernst genommen werden.


veröffentlicht 18.09.2025 , zuletzt geändert 16.04.2026