Warum ist Gebäudeeffizienz vor allem im Winter wichtig?
In der kalten Jahreszeit treffen hoher Energiebedarf und ungünstige Erzeugungsbedingungen für Strom zusammen.

Gebäudeeffizienz ist vor allem im Winter von zentraler Bedeutung für Klimaschutz und Energiesysteme. In der kalten Jahreszeit steigt der Strombedarf für Raumwärme stark an und trägt wesentlich zur jährlichen Spitzenlast bei. Gleichzeitig sind die Treibhausgasemissionen des Stroms in dieser Zeit deutlich höher – derzeit bis zu dreimal so hoch wie im Sommer.
Eine Reduktion des Energiebedarfs im Winter wirkt daher besonders effektiv: Sie senkt überproportional die Emissionen, reduziert den Bedarf an aufwendiger saisonaler Stromspeicherung und entlastet das Energiesystem insgesamt.
Winterstrom ist knapp und emissionsintensiv
In Energiesystemen mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien ist die Bereitstellung von klimafreundlichem Strom im Winter deutlich anspruchsvoller als im Sommer. Der Hauptgrund liegt in den stark schwankenden Erträgen erneuerbarer Technologien.
Photovoltaikanlagen liefern im Winter deutlich weniger Energie, während gleichzeitig der Bedarf am höchsten ist. Technologien, die im Winter relevante Beiträge leisten können – insbesondere die Windkraft – sind in ihrem Ausbaupotenzial begrenzt. Neben verfügbaren Flächen spielen dabei auch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle.
Bedeutung der saisonalen Speicherung
Ein Teil des zukünftigen Winterstrombedarfs wird daher voraussichtlich durch im Sommer erzeugte Überschüsse aus Photovoltaik gedeckt werden müssen. Diese Energie muss jedoch saisonal gespeichert und im Winter wieder bereitgestellt werden. Diese Form der Stromversorgung ist technisch deutlich aufwendiger und mit höheren Kosten verbunden als die direkte Nutzung von Strom zum Zeitpunkt seiner Erzeugung.
Gebäude als Treiber der Winter-Spitzenlast
Ein wesentlicher Faktor für die hohe Winterlast ist der Energiebedarf von Gebäuden:
- Raumwärme ist der größte zusätzliche Energiebedarf im Winter
- Wärmepumpen und elektrische Heizsysteme erhöhen den Strombedarf
- Mit dem Ausstieg aus fossilen Heizsystemen steigt der Strombedarf weiter
Die Folge: Nicht nur der Jahresstromverbrauch, sondern auch die Winterspitzenlast nimmt zu. Diese Herausforderung betrifft nicht nur Österreich, sondern ganz Europa. In nahezu allen EU-Staaten tritt die Jahreshöchstlast im Winter auf.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Jede im Winter eingesparte Kilowattstunde vermeidet überproportional hohe Treibhausgasemissionen und zukünftige Systemkosten.
Hohe Gebäudeeffizienz – insbesondere in Gebäuden mit Wärmepumpe – reduziert die winterliche Spitzenlast, senkt den Bedarf an kostenintensiver saisonaler Speicherung und entlastet das Energiesystem insgesamt.
Strommix und Importabhängigkeit in Österreich
Der österreichische Strommix setzt sich aus erneuerbaren und fossilen Energieträgern zusammen. Eine zentrale Rolle spielen Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse. Ergänzend kommen Erdgas, Erdöl und Kohle zum Einsatz, insbesondere in Zeiten erhöhter Nachfrage.
Österreich ist eng in den europäischen Strommarkt integriert. Gegenüber Ländern wie der Schweiz, Italien, Slowenien und Ungarn werden im Jahresverlauf mehr Strommengen exportiert als importiert. Anders verhält es sich im Verhältnis zu Deutschland und der Tschechischen Republik. Hier übersteigen die Stromimporte die Exporte, wodurch Österreich insgesamt als Nettoimporteur auftritt.
Der österreichische Verbraucherstrommix wird daher nicht ausschließlich durch die inländische Stromerzeugung bestimmt. Auch der Erzeugungsmix der importierten Strommengen hat einen wesentlichen Einfluss. Gerade im Winter führt dies dazu, dass der Strommix im Durchschnitt emissionsintensiver ist als in den Sommermonaten, da importierter Strom häufig einen höheren Anteil fossiler Energieträger aufweist.
Treibhausgasemissionen von Strom in Österreich
Aus dem Verbraucherstrommix sowie den spezifischen Emissionen der einzelnen Kraftwerkstypen lassen sich die monatlichen Treibhausgas-Faktoren für den österreichischen Strom bestimmen. Der österreichische Strom verursacht im Winter deutlich höhere Treibhausgasemissionen als im Sommer.
Blick in die Zukunft: Szenario 2030
Die Treibhausgas-Faktoren fossiler Energieträger und von Biomasse werden sich künftig voraussichtlich kaum verändern. Demgegenüber ist beim Strom mit einem deutlichen Rückgang der spezifischen Emissionen zu rechnen – vorausgesetzt, der Anteil erneuerbarer Energien im österreichischen Verbraucherstrommix wird weiter erhöht.
Im Szenario für 2030 zeigt sich, dass ein Bedarf an Nettostromimporten nur noch in den Wintermonaten Jänner sowie November bis Dezember besteht. In den übrigen Monaten übersteigt die Stromproduktion den inländischen Bedarf, sodass Österreich in diesen Zeiträumen mehr Strom exportiert als importiert.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft nimmt bis 2030 sowohl in Österreich als auch in Deutschland und der Tschechischen Republik weiter zu und folgt damit dem bisherigen Ausbaupfad. Parallel dazu steigt auch der Stromverbrauch in Österreich kontinuierlich an. Gleichzeitig geht die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle in Deutschland und der Tschechischen Republik weiter zurück und setzt damit den bereits beobachteten Abwärtstrend fort.
Das Szenario zeigt also, dass die spezifischen Treibhausgasemissionen des Verbraucherstrommix bis 2030 weiter zurückgehen werden, dass jedoch der Jahresswing mit höheren Emissionen im Winter erhalten bleibt.
Fazit
Gebäudeeffizienz ist im Winter von zentraler Bedeutung, weil der Strom in dieser Jahreszeit deutlich höhere Treibhausgasemissionen verursacht als im Sommer. Beim aktuellen österreichischen Verbraucherstrommix (Mittel von 2020 bis 2024) sind die spezifischen Treibhausgasemissionen im Winter etwa dreimal so hoch wie im Sommer.
Auch im prognostizierten Strommix des Jahres 2030 besteht der saisonale Unterschied weiterhin fort. Die winterlichen Spitzenwerte gehen jedoch zurück, was insbesondere auf den erwarteten Ausbau der Windenergie in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik zurückzuführen ist. Die berechneten Treibhausgasemissionen sind dann im Winter etwa doppelt so hoch wie im Sommer.
