Ökobilanz: Bewertung der ökologischen Auswirkungen von Gebäuden

Eine Lebenszyklusanalyse (LCA) bewertet die ökologischen Auswirkungen eines Gebäudes über alle Lebensphasen – von der Materialproduktion über Errichtung und Nutzung bis hin zu Rückbau und Entsorgung. Sie liefert eine quantitative Grundlage, um ökologische Unterschiede zwischen Baustoffen, Bauteilen und Bauweisen vergleichbar zu machen.

Lebenszyklusphasen mit Bezeichnungen der Systemgrenzen im allgemeinen Sprachgebrauch

Erfassung des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen

Der Ressourcenverbrauch und die Emissionen werden herstellerspezifisch über den gesamten Produktionsprozess erfasst, von der Rohstoffgewinnung undverarbeitung bis zur Fertigstellung („von der Wiege bis zum Werkstor“, englisch: cradle-to-gate). Szenarien ab Werkstor, also die Nutzungsphase im Gebäude sowie das Lebensende des Produkts (z. B. Recycling, thermische Verwertung oder Deponierung) werden bestmöglich modelliert. 

Datenbasis: Baustoffe und EPDs

Für die Berechnung der Lebenszyklusanalyse werden Daten zu allen verwendeten Baustoffen benötigt. Diese stammen entweder aus generischen Datensätzen (z. B. für Holzfaserdämmung) oder aus herstellerspezifischen Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations; EPDs).  Eine EPD besagt nicht, ob ein Produkt „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern liefert lediglich die Fakten.
EPDs machen Angaben zu:

  • Energie- und Ressourceneinsatz
  • Treibhauspotenzial (GWP), Versauerung (AP) und anderen Umweltwirkungen
  • Technischen Eigenschaften wie Wärmeleitfähigkeit, Lebensdauer oder Einfluss auf das Innenraumklima

Die Daten werden über den gesamten Herstellungsprozess (von der Wiege bis zum Werkstor) erfasst und können mit Wirkfaktoren in Umweltwirkungen überführt werden. So lässt sich der Beitrag jedes Baustoffs zu Energieverbrauch, Treibhauspotenzial oder anderen Indikatoren quantifizieren.

Praxis der Baustoffwahl

Ökobilanzen zeigen, dass der Einsatz von Materialien mit geringem Herstellungsaufwand die Umweltbelastung reduziert. Besonders vorteilhaft sind Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Schilf, Stroh, Flachs, Hanf oder Schafwolle. Sie eignen sich für Tragkonstruktionen, Dämmung, Fassaden oder Innenausbau und tragen zusätzlich zu einem gesunden Raumklima bei.

Ökologische Kennzahlen: Oekoindex (OI3)

Der Oekoindex (OI3) ist eine Kennzahl zur quantitativen Bewertung von Baustoffen und Bauteile. Er dient als Planungsinstrument zur Materialoptimierung und zur ressourcenschonenden Bauweise. 

Der OI3 berücksichtigt drei Umweltindikatoren:

  • Primärenergie nicht erneuerbar (PENRT) – Energieaufwand aus nicht erneuerbaren Quellen
  • Treibhauspotenzial (GWP) – Beitrag zum Klimawandel
  • Versauerungspotenzial (AP) – Beitrag zur Versauerung von Böden und Gewässern

Diese drei Wirkungen werden zu gleichen Teilen (je 1/3) gewichtet und zu einer einzigen Kennzahl zusammengeführt. Dadurch werden Bauteile und Gebäude vergleichbar. 

Die Bewertung erfolgt bezogen auf eine definierte Bezugsfläche gemäß OI-Leitfaden. Die ökologische Qualität wird in Belastungsklassen von A (sehr geringe Belastung) bis E (sehr hohe Belastung) angegeben. Die Berechnung des OI3 kann über die Plattform baubook eco2soft sowie über verschiedene Berechnungsprogramme erfolgen und lässt sich – je nach gewählter Bilanzgrenze – ohne zusätzlichen Aufwand im Zuge der Energieausweiserstellung durchführen.

Anwendung in der Lebenszyklusanalyse von Gebäuden

Im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse wird die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes be-trachtet: von der Bauphase über die Nutzung – inklusive möglicher Umnutzungen – bis hin zu Rückbau und Entsorgung. So kann dargestellt werden, welchen Beitrag die eingesetzten Bauprodukte zur Energieeffizienz und zu weiteren Aspekten einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung leisten.

Werkzeuge und Datenbanken für Ökobilanzen 

In Österreich werden EPDs einzelner Produkte sowie generische Kennwerte im Webportal baubook gelistet. Diese Daten können beispielsweise in Energieausweisprogramme importiert und direkt von Planerinnen und Planern genutzt werden. baubook ist eine zentrale Platt-form für Bauprodukte, Bauteile und Tools, die ökologisches und gesundes Bauen untertützt. Sie stellt geprüfte und validierte Baustoffdaten für die Berechnung von Energie- und Ökolo-giekennzahlen bereit und erleichtert die Nachweisführung im Rahmen von ökologischen Ausschreibungen, Gebäudezertifizierungen und Fördersystemen. 

Auf Basis der Materialkennwerte kann die Lebenszyklusbilanz eines Gebäudes erstellt werden. Die grundsätzliche Vorgehensweise dafür ist in verschiedenen internationalen und nationalen Normen und Regelwerken beschrieben.

  • In Österreich wird für die Bewertung von Gebäuden häufig der Oekoindex (OI3) herangezogen. Er ist in Zertifizierungssystemen sowie in Förderprogrammen etabliert. Im Rahmen des Projekts outPHit wurde zudem vom Passivhausinstitut das Manufacturing Energy Evaluation Tool (MEET) mitentwickelt.
  • In der Schweiz steht seit 2010 das SIA-Merkblatt 2032 „Graue Energie von Gebäuden“ zur Verfügung. Ziel dieses Regelwerks ist es, Berechnungen der grauen Energie auf einheitlichen Methoden und konsistenten Datenquellen basieren zu lassen.

Oekoindex (OI3) in Österreich

Der Oekoindex (OI3) dient der Materialoptimierung in der Gebäudeplanung und fördert den nachhaltigen Ressourceneinsatz. Er wurde 2003 im Rahmen der Salzburger Neubauförderung eingeführt und wird seither in zahlreichen Wohnbauförderungen der Bundesländer sowie in Programmen wie klimaaktiv und dem Kommunalen Gebäudeausweis (Vorarlberg) angewendet.

Die Bedeutung der Baustoffwahl nimmt stetig zu, da neben dem Energiebedarf im Betrieb auch der Herstellungsaufwand der Materialien über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren berücksichtigt wird. Umweltgerechtes Bauen umfasst daher hohen Wärmeschutz, den Einsatz erneuerbarer Energien und die Verwendung ökologischer Baustoffe. Eine bewusste Materialwahl reduziert Umweltwirkungen und langfristig auch Kosten.

Bewertungsgrundlagen und Kennwerte des OI3

Der Oekoindex 3 (OI3) bewertet die ökologische Qualität von Bauprodukten und der Gebäudehülle anhand von drei Umweltkategorien:

  • Treibhauspotenzial (GWP) – der Beitrag zum Klimawandel in CO₂-Äquivalenten
  • Primärenergie nicht erneuerbar (PENRT) – der Energieaufwand aus nicht erneuerbaren Quellen für Herstellung, Transport und Verarbeitung
  • Versauerungspotenzial (AP) – der Beitrag zur Versauerung von Böden und Gewässern

Diese drei Kategorien werden jeweils zu gleichen Teilen (je 1/3) gewichtet. Die Bewertung erfolgt bezogen auf eine definierte Bezugsfläche gemäß OI-Leitfaden. Die ökologische Qualität wird in Belastungsklassen von A (sehr geringe Belastung) bis E (sehr hohe Belastung) angegeben.
Die Berechnung des OI3 kann über die Plattform baubook eco2soft sowie über verschiedene Berechnungsprogramme erfolgen und lässt sich – je nach gewählter Bilanzgrenze – ohne zusätzlichen Aufwand im Zuge der Energieausweiserstellung durchführen.

Berechnungsmethodik und Leitfäden

Wie der OI3 berechnet wird, ist in entsprechenden Leitfäden festgelegt, die vom Österreichi-schen Institut für Bauen und Ökologie (IBO) herausgegeben werden. Der aktuell gültige Leit-faden ist der OI-Leitfaden Version 5.0 (Stand 09/2023)

Ausblick: Zukünftige OIB Richtlinie 7

Über die OIB Richtlinien und deren Umsetzung in den Ländern bestehen in Österreich baurechtliche Verpflichtungen. Bisher gab es jedoch keine verbindlichen Anforderungen zur Lebenszyklusbilanzierung von Gebäuden. Dies wird sich mit der Einführung der OIB-Richtlinie 7 (OIB RL-7) ändern, die erstmals konkrete Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Gebäuden formulieren wird.
Ein zentrales Element ist die Bewertung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials (Global Warming Potential, GWP) – also jener Kennzahl, die die Klimawirkung eines Gebäudes und der darin eingesetzten Baustoffe über die gesamte Lebensdauer hinweg beschreibt. 
Der europäische Rahmen wird durch die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024/1275) und die neue EU - Bauprodukteverordnung (CPR 2024) gespannt.

Einbettung in europäische Regelwerke

Für die siebte Grundanforderung der EU-Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011 „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ besteht bislang kein europäisches Grund-lagendokument. Sie fordert, dass Bauwerke so gestaltet, errichtet und rückgebaut werden, dass Ressourcen geschont werden – durch Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit, Dau-erhaftigkeit und den Einsatz umweltfreundlicher Materialien. 
Die geplante OIB-Richtlinie 7 knüpft an europäische und nationale Strategien zur Nachhaltig-keit und Kreislaufwirtschaft an. Bis 2027 soll die Ausweisung des Treibhauspotenzials (GWP) im Rahmen der 7. Grundanforderung in nationales Recht überführt werden. In mehreren eu-ropäischen Ländern (u. a. Niederlande, Frankreich, Schweden, Dänemark und Norwegen) ist dies bereits heute Teil der Bauvorschriften. 

Zeitplan zur Einführung der OIB-Richtlinie 7

Die nächsten Schritte für die Einführung sehen wie folgt aus:

  • bis Ende 2025: Veröffentlichung der delegierten Rechtsakte der EU
  • 2026: Entwurf und Begutachtung der OIB-Richtlinie 7
  • 2027: Beschlussfassung durch die OIB-Generalversammlung
  • ab 2028: verpflichtende Offenlegung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials in Energieausweisen für Neubauten (Nutzfläche > 1000 m²)
  • ab 2030: Offenlegung für alle Neubauten Zielvorgaben und Einführung von GWP-Grenzwerten.

    Info und Beratung

    • Werfen Sie auch einen Blick in unseren „Planungsleitfaden Luft-Wasser-Wärme-pumpen“. Kostenlos unter www.energieinstitut.at/shop
      Unsere Energieberatung informiert produktneutral und praxisnah bei allen Fragen rund um die Heizungswahl. Alle Infos unter www.energieinstitut.at/energieberatung
    • Ersetzt die Wärmepumpe ein fossiles Heizsystem, gibt‘s großzügige Förderungen von Bund und Land. www.energieinstitut.at/foerderungen