Kompromiss als Konzept
Sanieren mit Weitblick: Ein Einfamilienhaus in Dornbirn-Mühlebach wird zukunftsfit. Das Beispiel eines Einfamilienhauses aus den 1960er-Jahren zeigt, wie sich ältere Bestandsgebäude nachhaltig sanieren lassen und wie aus Einschränkungen neue Qualität entsteht – trotz technischer, baulicher und rechtlicher Herausforderungen.

Davon konnten sich die Partnerbetriebe bei einer Besichtigung mit Architektin Andrea Vogel-Sonderegger vor Ort überzeugen.
Für die Bauleute war die Entscheidung von Beginn an klar. Statt einem Neubau sollte das bestehende Haus der Großtante erhalten, umfassend saniert und an heutige Anforderungen angepasst werden. Später sollte einmal eine unkomplizierte Trennung des Wohnraums möglich sein – für die Kinder oder zum Vermieten. Bei der Planung und Durchführung werden die Bauleute von Architektin Andrea Vogel-Sonderegger (Partnerbetrieb sonderegger-thonhauser) mit viel Expertise begleitet.
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Die Eingriffe in die bestehende Struktur des typischen Siedlungshauses aus dem Jahr 1962 waren dementsprechend tiefgreifend. Ein zentrales Element war dabei das neu gedachte Stiegenhaus. Statt zwei enger innenliegender Treppen wurde eine großzügige Erschließung mit 1,20 Meter Breite umgesetzt – als Vorbereitung für eine spätere Nutzung als Mehrfamilienhaus. Gleichzeitig wünschte sich die Bauherrin offene Räume, viel Stauraum und eine klare, ruhige Gestaltung.
Komplexe Statik und bauliche Grenzen
Das Erdgeschoss wurde großteils entkernt, Wände entfernt und Träger eingebaut. „Jeder Balken musste aufgedoppelt werden, da die vorhandenen generell zu schwach waren für eine spätere Teilung des Hauses waren. Bei den Decken wurde die Statik, der Brandschutz und die Akustik verbessert. Dadurch gab es erste Kompromisse, zum Beispiel mit einer etwas niedrigeren Raumhöhe“, erzählt Architektin und Sanierungslotsin Andrea Vogel-Sonderegger. Weitere Hürden gab es auch beim Abbruch des Kamins oder den alten Betonziegeln. Dort waren aus statischen Gründen keine Leitungen in der zweiten Kammer erlaubt und mussten mit teurem Material hinterfüllt werden.
„Es gibt ein Universum an Geschichten und viele Handgriffe – und vieles, was erst später zum Vorschein kommt. Mit beruflicher Expertise und guten Ausführenden finden wir gute Lösungen."
Architektin Andrea Vogel-Sonderegger
Neue Raumqualität mit lichtdurchflutetem Dachgeschoß
Die neue Raumstruktur folgt nun klaren Funktionen: Im Erdgeschoss befinden sich Küche, Essen und Wohnen – offen gestaltet, mit einer schwebenden Kochinsel als zentrales Element. Die ehemalige Terrasse wurde erweitert und überdacht. Ein kleiner Sanitärbereich ergänzt das Angebot. Beim Farbkonzept gibt es architektonische Klarheit: warme Weißtöne treffen auf rabenschwarze Träger und eine helle Holzküche mit schwarzer Platte. Im Obergeschoss liegen die Schlafräume und das Bad, während das ausgebaute Dachgeschoss mit großzügiger Dreiecks-Verglasung als eindrucksvolles flexibles Refugium dient – als Büro, für Gäste oder Sport. Dafür musste allerdings zuerst die obere Geschoßdecke aus statischen Gründen aufgedoppelt und ein neuer Dachstuhl auf der verstärkten Konstruktion errichtet werden.
Nachhaltiges Ressourcenmanagement
Heute zeigt sich das Einfamilienhaus mit hinterlüfteter Schindelfassade aus heimischer Fichte auch energetisch auf zeitgemäßem Niveau. Auf dem Dach wurde eine integrierte Photovoltaikanlage mit 10 kWp installiert. Dank moderner Haustechnik, einer Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen sowie der Wärmedämmung mit zwei Lagen statt früherer Putzfassade reduziert sich der Heizwärmebedarf von ehemals über 200 auf 36 kWh/m2a. Auch beim Thema Entwässerung wurde vorausschauend geplant: Anfallende Dachwässer werden zentral in einem unterirdischen Regenwassertank gesammelt. Ist das Speichervolumen des Tanks ausgeschöpft, wird das überschüssige Wasser in ein integriertes Sickerpaket geleitet. Der sickerfähige Boden sorgt dafür, dass anfallende Niederschläge nur auf dem eigenen Grundstück versickern, ausgerichtet auf ein 10-jährliches Ereignis.
„Ein Sanierungsprojekt ist immer ein vielschichtiger und komplexer Entwicklungsprozess. Viele Entscheidungen sind erst im Laufe der Arbeiten entstanden – oft auch ausgelöst durch Überraschungen im Bestand. Alles ist ein Kompromiss!
Wir würden uns auch heute - mit den gemachten Erfahrungen - immer wieder für die Sanierung statt einem Neubau entscheiden.“
Bauleute des Einfamilienhauses in Dornbirn
Die Besichtigung fand im Rahmen des Jahrestreffen des Netzwerkes der Partnerbetriebe Traumhaus Althaus statt. Vielen Dank an Architektin Andrea Vogel-Sonderegger und die Bauleute, für die spannenden Einblicke!
Im Zuge des Jahrestreffens wurde ein 2. Sanierungsprojekt besichtigt, bei dem Partnerbetrieb Metzler Fensterbau beteiligt ist: Das Ölz-Studentenwohnhaus in Dornbirn. Mehr darüber hier.











