Musterbeispiele für Sanierung und zukunftsorientierte Nachnutzung
Beim Jahrestreffen der Partnerbetriebe standen zwei gelungene Beispiele für Sanierung und zukunftsorientierte Nachnutzung statt Leerstand im Mittelpunkt. Eine 220 Jahre alte denkmalgeschützte Spinnerei wird mit Neubau in Passivhausqualität zum Studentenwohnhaus und die Sanierung eines Einfamilienhauses aus den 1960er-Jahren in Dornbirn-Mühlebach.
In unmittelbarer Nähe zur Fachhochschule Vorarlberg entsteht bis zum Sommer 2026 neuer Wohnraum für Studierende. So wird das denkmalgeschützte Bestandsgebäude der ehemaligen Spinnerei auf dem Werksgelände Ölz in Dornbirn künftig als Studentenwohnhaus genutzt. Dort und im angrenzenden fünfgeschossigen Neubau werden neben Gemeinschafts- und Sozialräumen bald 83 rund 25 m2 große Zimmer mit Bad zur Verfügung stehen, drei davon sind barrierefrei.
Umgesetzt wird das Projekt von der Ölz Immobilien GmbH. Der gemeinnützige Studierendenheimträger OeAD student housing wird den Betrieb des Wohnhauses übernehmen. Die Fertigstellung der Unterkünfte ist für August 2026 rechtzeitig vor Beginn des Wintersemesters geplant.
Ein Stück Industriegeschichte
Die alte Spinnerei auf dem Betriebsareal Ölz in Dornbirn gehörte zur Textilfirma Herburger & Rhomberg und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Wie viele industrielle Bauten in Dornbirn dieser Zeit, stand auch dieses denkmalgeschützte Gebäude viele Jahre lang leer. Bereits vor 15 Jahren hatte die Firma Ölz eine mögliche Nachnutzung am Standort Hintere Achmühle geprüft. Für eine Erweiterung der Produktion war dieser jedoch nicht geeignet. Es folgten zehn Jahre Leerstand mit bisweilen unterschiedlichen Ideen – wie Kinderhort, Musikschule und Arbeiterwohnheim – bis zum Kontakt mit der Fachhochschule Vorarlberg.
"Die 220 Jahre alte Spinnerei ist ein Stück Industriegeschichte und daher denkmalwürdig. Die größte Herausforderung bei der Sanierung von historischen Gebäuden war neben dem langen Leerstand die Nutzungsänderung, wenn ein Bestand an neue Anforderungen angepasst werden muss."
Barbara Keiler, Leiterin Bundesdenkmalamt Vorarlberg
Alt und Neu verbinden
Michael Heim vom Dornbirner Architekturbüro heim.müller.partner mit Fokus auf Umnutzung und Revitalisierung, ist mit dieser Problematik vertraut und hat bereits vergleichbare Projekte wie Steinebach oder das Magazin Oberdorf umgesetzt.
"Die wichtige Aufgabe des Architekten ist, die Qualitäten des historischen Gebäudes zu erkennen und trotz teilweise maroder Bausubstanz alle Interessen und Vorgaben von Denkmalschutz und den heutigen Anforderungen wie Statik, Brandschutz sowie Komfort etc. zu realisieren."
Architekt Michael Heim, heim.müller.partner
Das denkmalgeschützte Gebäude der alten Spinnerei wurde bis auf die tragende Konstruktion „entkernt“, umfassend erneuert und für die neue Nutzung als Studentenwohnhaus angepasst. Das äußere Erscheinungsbild – einem Rheintalhauses ähnlich – ist dabei weitgehend erhalten geblieben. Sämtliche Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt umgesetzt und die denkmalpflegerischen Anforderungen mit modernen Energie- und Komfortstandards verbunden. Wo möglich, wurden Baumaterialien, wie intakte Dachziegel, Erdaushub etc. wieder verwendet.
Die besondere Optik der Fassade mit Fichtenschindeln aus dem Bregenzerwald wurde mit einer speziellen Tauchtechnik im Jutesack erreicht.
"Insgesamt wurden 117 Fenster getauscht, im Stiegenhaus wurden die 220-Jahre-alten Originale bewusst erhalten, um das historische Handwerk sichtbar zu machen. Eine interessante und und nicht alltägliche Baustelle für uns!"
Dietmar Metzler, Metzler Fensterbau
Historische Bausubstanz vs. zeitgemäßes Bauen
Der viergeschossige Neubau des Studentenwohnhauses wurde in modularer Holzbauweise in Passivhausqualität von Kaufmann Zimmerei errichtet, wodurch ein hoher Vorfertigungsgrad, kurze Bauzeiten und eine gute ökologische Bilanz erreicht werden. Während sich im denkmalgeschützten Bestandsgebäude die Aufenthaltsräume, Küche und Lobby befinden, sind im Neubau die Wohneinheiten untergebracht sind. Durch diese funktionale Aufteilung bleibt die alte historische Bausubstanz weiterhin erlebbar und ermöglicht zugleich zeitgemäße Wohnstandards in einem energieeffizienten Neubau.
Die Energieversorgung erfolgt über einen Fernwärmeanschluss in Kombination mit einer Photovoltaikanlage, die sowohl den denkmalgeschützten Bestand als auch den Neubau versorgt, was den Primärenergiebedarf und die CO₂-Emissionen des Gesamtstandorts deutlich reduziert.
Klimaschutz und Standortentwicklung
Durch die Verbindung von Denkmalschutz, energieeffizienter Sanierung und erneuerbarer Energieversorgung erfüllt das Ölz-Studentenwohnhaus zentrale Kriterien einer Mustersanierung mit Vorbildcharakter.
Die Revitalisierung des bestehenden Industriegebäudes vermeidet zusätzliche Flächenversiegelung, senkt den Ressourcenverbrauch im Vergleich zu einem reinen Neubau und verlängert die Lebensdauer der vorhandenen Bausubstanz deutlich. So zeigt das neue Studentenwohnhaus beispielhaft, wie ein denkmalgeschütztes ehemaliges Industriegebäude nachhaltig revitalisiert und einer zukunftsfähigen Nutzung überführt wurde.
Vielen Dank an Dietmar Metzler vom Partnerbetrieb Metzler Fensterbau, Architekt Michael Heim (heim.müller.partner) und Barbara Keiler (Bundesdenkmalamt) für die Möglichkeit der Besichtigung und die sehr informativen und spannenden Einblicke!
Der 2. Teil der Besichtigung führte die Partnerbetriebe zu einem Sanierungsprojekt von Architektin Andrea Vogel-Sonderegger (Partnerbetrieb sonderegger-thonhauser). Lesen Sie hier mehr über die Sanierung in Dornbirn-Mühlebach!










