Wie sind die ambitionierten PV-Ausbauziele in Vorarlberg – und Österreich – zu schaffen? Müssen wir uns vom Paradigma „Keine PV auf Freiflächen“ verabschieden? Was kann ein PV-Solarfaltdach und unter welchen Voraussetzungen ist Winterstrom aus Sommerstrom-Wasserstoff Teil der Lösung?

Das waren die zentralen Fragen beim Fachforum Strom & Wärme im April 2021. Sechs Blitzlichter auf die dazugehörigen Impulse der Referentinnen und Referenten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich – zusammengefasst vom Hüter des Fachforums Willi Schlader.

1. Ökostrom kommt!

Für die Zielerreichung 100% Ökostrom in 2030 ist Teamleistung gefordert: Neun Bundesländer und der Bund müssen ambitioniert und mit vollem Einsatz mitspielen. Die Ampel für die erforderlichen Rahmenbedingungen stehen noch nicht in allen Bundesländern auf grün. Gerade beim Ausbau der PV ist derzeit der Zielanpassungsbedarf zwischen Bundesziel und den Länderzielen besonders groß. Details zu den technischen und realisierbaren Potentialen in den Bundesländern zeigte Günther Pauritsch von der Österreichischen Energie Agentur.

2. Und zwar: Strom aus der Region

Das Potential von EEGs (Erneuerbare Energiegemeinschaften) am konkreten Beispiel des Zusammenschlusses aller kommunalen Objekte in drei Vorderwälder Gemeinden zeigte Thomas Roßkopf. Die Steigerungen des genutzten Stroms in der EEG und die Reduktionen des Netzbezuges wären – so versprechen es die Simulationen der Strom- und Energieflüsse – beachtlich. Die erzielbaren monetären Gewinne wären zwar überschaubar, es könnte sich aber ausgehen, dass für die Bezieher*innen des Stroms aus der EEG der Bezugspreis 2 Cent günstiger wäre als bei Netzbezug, und für den PV-Strom in die EEG rund 2 ct/kWh mehr vergütet werden könnte als der Marktpreis.

3. Strom vom Dorf

In der Gemeinde Schnifis gibt’s Vorarlbergs ersten echten EEG-Piloten mit allem drum und dran: kommunale Objekte, Hausbesitzer und eine Biogasanlage im living lab. Mitinitiator und Projekttreiber Mathyas Scheibler von der Fa. energiewenden und Gerhard Günther vom illwerke vkw-innovation lab berichteten ihre lessions learned: Die bilanzielle Abrechnung der 15 minutigen Daten aus den Smart Metern in Echtzeit und die Visualisierung über eine Webplattform für die Teilnehmer ist softwaretechnisch ambitioniert. Aber: Der Pilot funktioniert.

4. Strom vom Faltdach

Zur Erreichung der Ökostromziele 2030 wird es erforderlich sein, auch versiegelte Flächen für PV-Anlagen wirtschaftlich erschließbar zu machen. Eine beindruckende Lösung, wie Parkflächen oder Kläranlagen großflächig zur Stromerzeugung genutzt werden können, zeigten Gian Andri Diem und Tizian Monn von der Fa. dhp-technology aus der Schweiz anhand konkreter Projekte.

Mit glasfreien Leichtbaumodulen und modifizierter Seilbahntechnologie können große Flächen mit PV überdacht werden. In 1.000-Quadratmeter-Einheiten beliebig skalierbar. Und das in Höhen und mit Spannweiten, die das Rangieren von LKWs oder das Warten von Kläranlagenteilen uneingeschränkt ermöglichen.

Mit einem Meteoalgorithmus bewahrt sich das PV-Faltdach eigenständig vor Schäden durch Hagel, Sturm und Schneefall, indem es vollautomatisch in eine geschützte Position einfährt. Derselbe Mechanismus schützt die Anlage des Nachts auch vor Vandalismus.

5. Strom vom Acker

Unter dem Stichwort Agri-Photovoltaik rücken neuerdings auch die Vorteile aus der Kombination von Freiflächenanlagen und landwirtschaftlicher Produktion in den Fokus der Bestrebungen, die Erneuerbaren Energieträger auszubauen. Bei Agri-Photovoltaik wird die Fläche simultan landwirtschaftlich und energetisch genutzt.Kerstin Wydra von der FH Erfurt – Expertin für beide Welten – zeigte, dass zahlreiche Pflanzen wie Kartoffeln, Hopfen oder Salat unter Photovoltaikanlagen sogar besser gedeihen, als sie das an der prallen Sonne tun. Ein zweiter Ansatz ist die senkrechte Aufstellung von bifazialen Modulen: Sie können das Sonnenlicht von beiden Seiten nutzen und auch bei senkrechter Aufstellung gute bis sehr gute Energieerträge erzielen.

6. Und Strom aus Wasserstoff

Die Tatsache, dass immer mehr Wärmeanwendungen im Gebäude strombasiert sind, führt dazu, dass der winterliche Verbrauch und die (insbesondere aus PV) vorwiegend sommerliche Produktion auseinanderklaffen.Die Idee vieler Hausbesitzer, den Strom für die Wärmepumpe im Winter mit der eigenen PV-Anlage am Dach zu erzeugen, führt daher zumindest außerhalb des Bilanziellen in die Irre.

Zumindest, bis es Lösungen für eine saisonale Speicherung gibt. Und unter welchen Voraussetzungen PV-Sommerstrom mittels Wasserstoff in Wohngebäuden saisonal und ökonomisch vertretbar gespeichert und genutzt werden kann, erklärte Christof Drexel. Ein Fazit: In einem großen Mehrfamilienhaus (40 Einheiten) in Passivhausstandard ist die Eigenversorgung mit PV plus Batterie plus Wasserstoff schon fast mit den Kosten für eine fossilen Lösungen konkurrenzfähig. Das wirtschaftliche Optimum saisonaler Speicherung könnte im Bereich Erneuerbarer Energiegemeinschaften oder kleiner bis mittlerer Gemeinden liegen.

 

Die Präsentationen der Referent*innen stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung, wenn Sie uns ein kurzes E-Mail schicken. Dann halten wir Sie auch gleich zum nächsten Fachforum am 9. November auf dem Laufenden.

Link zu den Präsentationen anfordern

Haben Sie dieses Fachforum Strom & Wärme verpasst? Das nächste findet am 9. November 2021 (voraussichtlich noch einmal online) statt. Damit sie es nicht verpassen, können Sie sich hier schon mal ein Plätzchen reservieren.

Zuletzt aktualisiert am 25. September 2021