Bei jeder Neuplanung und auch bei jeder Sanierung sollten die Möglichkeiten genutzt werden, um das Gebäude für die sich ändernden Anforderungen zu rüsten – die betreffen in Vorarlberg vor allem Hitze und Starkregen. Unsere Expertin Sabine Erber hat vier Tipps für Sie zusammen gestellt.

 1) Schutz vor Sonne

Die Sommertauglichkeit des Gebäudes hängt entscheidend von vier Faktoren ab:

  • Dämmstandard,
  • Masse des Gebäudes,
  • Abschattung der Fenster und
  • nächtliche Auskühlung durch Fensterlüftung oder einer Komfortlüftung.

Gute Außenwanddämmung schützt wie eine Thermoskanne nicht nur vor Auskühlung, sondern auch vor Erwärmung. Masse verzögert beides, aber lässt sich im Sanierungsfall nicht mehr wesentlich beeinflussen. Im Gegensatz dazu lässt sich eine Verschattung der Fenster leicht nachrüsten: durch Raffstore, Fallmarkisen, Schiebeläden, Klappläden, aber auch durch Vordächer, Veranden und Balkone, die die Nutzungsqualität auch anderweitig erhöhen.

Auch durch die Begrünung von Fassaden und Dächern sowie Laubbaumpflanzungen lässt sich künftig die Überhitzung verhindern.

Zur nächtlichen Auskühlung sind vertikale Fenster günstig, die möglichst auf gegenüberliegenden Fassadenseiten liegen und die nachts geöffnet bleiben können.

Unterschiedliche Höhenniveaus unterstützen zudem die Durchlüftung durch Thermik.

 2) Schutz vor Starkregen

Die Erwärmung führt andererseits zu heftigeren Regenfällen, die verstärkt an Tropenregen erinnern. Es fällt so viel Wasser, dass es nicht versickern kann und im Gefälle an der Oberfläche abfließt. Im ungünstigsten Fall zu einer Haustür hinein.

 Nach Möglichkeit sollte daher ein Gefälle vom Gebäude weg zur Straße oder zu einer anderen versiegelten Fläche verlaufen. Auch Terrassen sollten mit Rinnen vom Haus getrennt werden, die viel Wasser ableiten können. Rinnen, die vor dreißig oder vierzig Jahren eingebaut wurden, sind bei weitem unterdimensioniert. Im Gelände liegende Mulden sollten einen gezielten Ablauf zur hausabgewandten Seite bekommen.

Treppenabgänge oder Kellerlichtschächte sollten durch Aufkantungen geschützt werden, damit nicht das gesamte Oberflächenwasser in den Tiefpunkt abläuft. Auch Abdichtungen sollten im Zuge einer Sanierung überprüft werden. Die früher üblichen 15 cm hohen Abdichtungen sind bei einem Starkregen schnell erreicht. Bei einer Sanierung der Fassade könnten die Abdichtungen deshalb einige Zentimeter höher geklebt werden.

3) Schutz vor Rückstau

Läuft bei einem starken Regen der Kanal voll, kann das Abwasser in den Schächten bis auf Straßenniveau steigen. Von hier drückt das Wasser in die Abwasserleitungen innerhalb der Gebäude bis zur Rückstauebene (dem Straßenniveau) zurück. Tiefergelegene Räume werden in diesem Fall bei nicht vorhandener Rückstausicherung überflutet.

Das öffentliche Kanalnetz ist nicht darauf ausgerichtet, Starkregen vollständig aufzunehmen. Die Rohre der Kanalisation wären ansonsten zu groß und zu teuer. Die Folgen eines Rückstaus in ein Gebäude sind hohe Kosten, viel Ärger, Zeitaufwand für die Beseitigung der Schäden und nicht zuletzt Gesundheitsrisiken, da das Wasser mit Fäkalien und anderen Abfällen durchsetzt sein kann.

 Keine Ablaufstellen von Toiletten, Bodenabläufen, Waschbecken, Waschmaschinen etc. unterhalb der Rückstauebene sind der beste Schutz vor Rückstau!

Kann nicht auf Abflüsse unterhalb der Rückstauebene verzichte werden, gibt es zwei technische Varianten, um das Gebäude vor Eindringen des Wassers aus der Kanalisation zu schützen:

  1. Eine Hebeanlage. Sie pumpt das häusliche Abwasser über das Straßenniveau, von dort gelangt es weiter in den öffentlichen Kanal. Wenn das Wasser erst einmal oberhalb der Rückstauebene ist, kann es nicht mehr zurückfließen. Hebeanlagen sind teurer und benötigen Energie, aber erlauben die Nutzung der häuslichen Abwasserleitungen auch während eines Rückstaus und die sind sicherer.
  2. Ein Rückstauverschluss. Er wirkt wie ein Ventil und lässt Abwasser in Strömungsrichtung ungehindert abfließen, während der Rückweg durch Klappen abgesperrt wird.

Häufig sind Rückstauverschlüsse in älteren Häusern nicht stark genug, um dem Druck eines heutigen Starkregens standzuhalten. Im Zuge einer Sanierung sollte daher geprüft werden, ob ein Austausch erforderlich ist.

Vorsicht auch bei Drainagen an älteren Häusern: Im Falle eines Rückschlages entwässert der gesamte Regenwasserkanal in die Drainage. Das kann zu heftigen Überschwemmungen unmittelbar um das Gebäude herum führen.

4) Vorsorge ist billiger

Auch wenn diese Maßnahmen unbeliebt sind, weil sie zusätzliches Geld kosten, sind sie im Verhältnis zum Schadenfall buchstäblich spottbillig. Hundertjährige Wetterereignisse finden mittlerweile innerhalb weniger Jahre mehrfach statt, deswegen ist die Vorsorge mit Sicherheit eine kluge Herangehensweise.

Über Maßnahmen zur Anpassung Ihres Gebäudes an den Klimawandel beraten unsere Expertinnen und Experten aus dem Fachbereich Energieeffizentes Bauen und der Energieberatung. Sie erreichen Sie am Energietelefon unter 05572 31 202-112.