Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll? Bei Neubau und Sanierung wird diese Frage immer wieder aktuell. In diesem Faktencheck geben wir Ihnen eine Facheinschätzung zu den Vor- und Nachteilen von Infrarotheizungen – insbesondere was Kosten, Komfort und Umweltauswirkungen betrifft.

Infrarotheizung: das Wichtigste vorneweg

Niedrige Investitionskosten, hohe Betriebskosten. Hoher Komfort, negative Umweltauswirkungen: Infrarotheizungen polarisieren Fachwelt und Kunden. Wir haben für Sie einen Faktencheck zur Infrarotheizung zusammengestellt, der die Infrarotheizung und deren Anwendungen sachlich analysiert.

  1. “Infrarotheizung” ist eine neue, gefällige Bezeichnung für eine bestimmte Stromdirektheizung. Stromdirektheizungen laut Bautechnikverordnung in Vorarlberg im Neubau als Hauptheizsystem allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
  2. Niedrigen Anschaffungskosten stehen hohe Betriebskosten gegenüber, was bei Gebäuden mit extrem niedrigem Heizwärmebedarf oder zeitlich eingeschränkter Nutzung sinnvoll sein kann.
  3. Der im Winter vorwiegend aus Kohle, Öl und Gas gewonnene Strom macht Heizsysteme mit hohem Stromverbrauch zu einer unökologischen Wahl – auch wenn auf dem Hausdach eine eigene PV-Anlage installiert ist.
  4. Es gibt große qualitative Unterschiede bei den Anbietern und den angebotenen Produkten.
  5. Eine gute thermische Behaglichkeit im Raum kann oftmals nicht erreicht werden – besonders in ungedämmten Gebäuden.

 

Die wichtigsten Vor- und Nachteile einer Infrarotheizung

Vorteile

Nachteile

+ Geringe Investitionskosten– hohe Betriebskosten
+ keine Wartung und Instandhaltung– Einsatz der hochwertigsten Energieform Strom zur Bereitstellung von 22°C Raumwärme
+ geringe Aufheiz- und Abkühlzeit (kurze Reaktionszeit)– keine Bevorratung des Brennstoffs möglich
+ hoher Wirkungsgrad vor Ort und keine signifikanten Verteilverluste innerhalb des Gebäudes– eigenes System zur Brauchwasserbereitung zwingend
 – erhöht den Strombedarf im Winter deutlich, welcher zu einem großen Teil aus kalorischen Kraftwerken stammt und eine hohe CO2-Belastung aufweist

 

Unsere Empfehlung zur Infrarotheizung

  1. Wir bewerten den Einbau einer Infrarotheizung im Neubau einzig bei Gebäuden mit einer Energieeffizienzklasse für den HWB von A+ oder A++ (HWBREF, SK max. 15kWh/m2a) als vertretbar. Hier stehen die Kosten für Heizraum und Verteilung bei wassergeführten Systemen in einem ungünstigen Verhältnis zur benötigten Wärmemenge, sodass der Einsatz einer elektrischen Infrarotheizung ökonomisch und ökologisch durchaus sinnvoll sein kann.
  2. Infrarotheizungen sollten bei Sanierungen nur in Einzelfällen und allenfalls zur Beheizung einzelner, untergeordneter Räume (z.B. Bad, Hobbyraum) zeitlich eingeschränkt eingesetzt werden.
  3. Beim Ersatz von Nachtspeicheröfen kann eine Infrarotheizung eine sinnvolle Alternative zu einem wassergeführten System sein.

Weitere Empfehlungen finden Sie im Ratgeber Infrarotheizung, den Sie hier herunterladen oder in unserem Broschürenshop kostenlos bestellen können.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen: Wann darf eine Infrarotheizung in Vorarlberg eingesetzt werden?

Gemäß Vorarlberger Bautechnikverordnung dürfen beim Neubau von Gebäuden elektrische Direkt-Widerstandsheizungen nicht als Hauptheizungssystem eingebaut und eingesetzt werden. Ausgenommen sind Gebäude, deren Kohlendioxidemissionen 13 kg / m2a konditionierter Brutto-Geschoßfläche nicht überschreiten. Im mehrgeschossigen Wohnbau fordert die OIB-Richtlinie 6 (Ausgabe 2015) eine zentrale Wärmeerzeugung, was den Anwendungsbereich von Infrarotheizungen hier ausschließt. Ausgenommen davon sind Gebäude, die einen Referenz-Heizwärmebedarf von max. 25 kWh / m2a aufweisen.

Darüber hinaus sind laut OIB-Richtlinie weitere energetische Mindestanforderungen einzuhalten und Alternativenprüfungen durchzuführen. Auch im Sanierungsfall sind rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Die Details dazu finden Sie im “Ratgeber Infrarotheizung” zum Download auf dieser Seite oder zur kostenlosen Bestellung in unserem Broschürenshop.

Zusammengefasst: In Vorarlberg dürfen Stromdirektheizungen im Neubau nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Unsere Energieberater helfen kostenlos und produktneutral bei der Bewertung Ihrer Möglichkeiten: 05572 / 31 202-112 oder energieberatung@energieinstitut.at. Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in den anderen Bundesländern erhalten Sie über die Kontakthinweise am Ende dieser Seite.

 

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Infrarotheizungen (oder Strahlungsheizungen) sind Heizsysteme, die vorwiegend Wärmestrahlung (Infrarotlicht) abgeben, anstatt die Luft zu erwärmen und durch Konvektion im Raum zu verteilen. Der Begriff klärt also nur die Art der Wärmeabgabe, nicht die der Wärmeerzeugung. Die in letzter Zeit vermehrt am Markt unter dem Sammelbegriff „Infrarotheizung“ angebotenen Produkte sind elektrische Widerstandsheizungen. Das heißt sie wandeln elektrischen Strom in Wärme um und geben diese in der Folge an den Raum ab.

Grafik Konvektion vs. Flächenheizung

Eine Konvektionsheizung erzeugt eine Luftwalze im Raum, wodurch sich im Raum unterschiedliche Temperaturschichten ergeben. Im Gegensatz dazu erwärmt eine Heizung mit höherem Strahlungsanteil den Raum gleichmäßiger. Auf einen Körper auftreffende Strahlung wird zudem als angenehm empfunden, wenn die Temperatur der Wärmequelle im Vergleich zum Rest des Raumes nicht zu hoch ist.

Wärmeabgabe an einen Raum erfolgt im Wesentlichen über

  • Wärmestrahlung (Wärmeübertragung durch elektromagnetische Wellen) und über
  • Konvektion (Erwärmung der vorbeiströmenden Luft).

Der Anteil der Wärmeabgabe eines Heizkörpers, der in Form von Wärmestrahlung geschieht, wird als Strahlungswirkungsgrad bezeichnet. Je höher dieser Strahlungswirkungsgrad ist, desto berechtigter ist die Bezeichnung “Infrarotheizung”. Man beachte, dass alle gängigen Heizsysteme zu einem gewissen Grad auch Wärmestrahlung abgeben, ohne deswegen unbedingt als Infrarotheizung bezeichnet zu werden. Dies trifft z. B. für Kachelöfen und besonders für Kaminfeuer zu. Auch eine Fußboden- oder Deckenheizung (beispielsweise mit Deckenstrahlplatten) gibt vorwiegend Strahlungswärme ab, da eine Luftkonvektion in diesem Fall kaum auftritt.

Für viele der Inbegriff von Behaglichkeit: ein Kamin- oder ein Kachelofen mit einem hohen Anteil an empfundener Strahlungswärme. Auch Infrarotheizungen weisen einen hohen Strahlungsanteil auf und werden als behaglich empfunden. So wie Fußboden- oder Wandheizungen, deren Strahlungswärmeanteil je nach Einbausituation auch über dem einer Infrarotheizung liegen kann. Bildnachweis: stefanfister - stock.adobe.com

Für viele der Inbegriff von Behaglichkeit: ein Kamin- oder ein Kachelofen mit einem hohen Anteil an empfundener Strahlungswärme. Auch Infrarotheizungen weisen einen hohen Strahlungsanteil auf und werden als behaglich empfunden. So wie Fußboden- oder Wandheizungen, deren Strahlungswärmeanteil je nach Einbausituation auch über dem einer Infrarotheizung liegen kann. Bildnachweis: stefanfister – stock.adobe.com

Der Strahlungswirkungsgrad der am Markt angeboten elektrisch betriebenen Infrarotheizungen liegt – je nach Bauart, Oberfläche und Betriebstemperatur – im Bereich zwischen 25% bis 60%. Konventionelle Heizkörper (Radiatoren) haben abhängig von ihrer Kompaktheit einen Strahlungsanteil von 20 bis 50 Prozent. Fußboden- und Wandheizungen einen Strahlungsanteil von bis zu 60 Prozent. Die restliche Wärmeabgabe erfolgt hauptsächlich über Konvektion. Eine Eigenheit von Heizsystemen mit hohem Strahlungsanteil ist ihre Fähigkeit, Umfassungsbauteile wie Böden, Wände oder Decken sowie Möbel oder Personen im Raum zu erwärmen. Dies wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.

Infrarotheizungen geben einen großen Teil der Wärme als Strahlungswärme ab.

Eine Eigenheit von Heizsystemen mit hohem Strahlungsanteil ist ihre Fähigkeit, Umfassungsbauteile wie Böden, Wände oder Decken sowie Möbel oder Personen im Raum zu erwärmen. Dies wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden.

Dadurch kann die Raumtemperatur – im Vergleich zu mit Radiatoren beheizten Räumen – meistens um ca. 1 bis 2 °C abgesenkt werden, ohne Einbußen bei der Behaglichkeit erwarten zu müssen. Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei Flächenheizungen wie Fußboden- und Wandheizungen auf. Um die erforderliche Leistung an den Raum abgeben zu können, erwärmen sich Infrarotpaneele auf bis zu 100°C. Zu starke Wärmestrahlung kann die Behaglichkeit auch negativ beeinträchtigen. Unangenehm ist es, von einer Seite stark angestrahlt zu werden, während die andere Körperseite kalt bleibt. Außerdem kann eine unangenehme Reizung der Augen auftreten. Ein weiterer Effekt hoher Oberflächentemperaturen ist, dass Staub verschwelt wird (ab rund 55°C), was zu Geruchsbildung und dem Empfinden von trockener Raumluft führen kann.

Die Abgabe von Strahulungswärme verschiedener Heizsysteme im Vergleich finden Sie im Ratgeber Infrarotheizung, den Sie hier herunterladen können.

Zusammengefasst: Eine Infrarotheizung ist eine neue, gefällige Bezeichnung für eine bestimmte Stromdirektheizung mit allen Vor- und Nachteilen dieses Heizungstyps.

 

Woher kommt der Strom für die Infrarotheizung?

Die Kombination einer Infrarotheizung mit einer PV-Anlage ist grundsätzlich möglich. Allerdings kann nur ein sehr kleiner Anteil des selbst produzierten Stroms direkt mit der Infrarotheizung in Wärme umgewandelt werden. Dies liegt daran, dass im Winter, wenn die Heizung benötigt wird (und somit der Strombedarf hierfür am größten ist), das solare Angebot und die Erträge der PV-Anlage am geringsten sind.

Grafik PV-Deckung im Jahresverlauf

Basis: Niedrigstenergiehaus (A++), Vierpersonenhaushalt, 5kWp-PV-Anlage, Erdreich-Wärmepumpe. In der Heizperiode beträgt die Eigendeckung durch die eigene PV-Anlage rund 7%.

Im Gegensatz dazu wird im Sommer mit der PV-Anlage ein Überschuss erzeugt, der dann in das öffentliche Netz eingespeist wird. Eine saisonale Speicherung vor Ort als Vorrat für den Winter ist nicht möglich. Die Energiebilanz über das ganze Jahr kann zwar ausgeglichen sein, der überschüssige Strom im Sommer muss allerdings ins öffentliche Netz eingespeist und bei Bedarf zu einem höheren Preis wieder zugekauft werden. Ein Batteriespeicher kann das Problem nur unwesentlich beeinflussen, denn die geringen Energieerträge im Winterhalbjahr werden in der Regel fast vollständig von Elektrogeräten und für die Beleuchtung im Haushalt verbraucht.

Haus mit Photovoltaikanlage

Im Winter kann nur ein kleiner Teil des Strombedarfs für die Infrarotheizung über eine eigene PV-Anlage gedeckt werden.

Der Strom für die Heizung wird im Winter also zugekauft. Das gilt nicht nur für den einzelnen Haushalt: Österreich ist bereits jetzt Nettoimporteur von Strom. Erhöhen (viele) neue Infrarotheizungen im Winter den Strombedarf, wird dieser daher überwiegend importiert und stammt zu einem großen Teil aus kalorischen und Atomkraftwerken.

Zusammengefasst: Im Winter wird der Strom für die Heizung nicht über die eigene PV-Anlage abgedeckt, sondern stammt zum großen Teil aus kalorischen und Kernkraftwerken – mit den entsprechenden Umweltauswirkungen. Details dazu finden Sie im “Ratgeber Infrarotheizung” zum Download auf dieser Seite. Und eine Empfehlung: Die CO2-Emissionen der europäischen Stromproduktion in Echtzeit sehen Sie auf electricitymap.org.

 

Wie finde ich einen seriösen Anbieter von Infrarotheizungen?

Ein guter Anbieter von Infrarotheizungen glänzt nicht nur mit einem guten Preis, sondern liefert

  • eine Heizlastberechnung nach Norm für jeden Raum
  • genaue Angaben über Positionierung der Infrarotpaneele (Decke, Innenwand, Außenwand)
  • ein übersichtliches Angebot, in dem Raum für Raum klar erkennbar und aufgelistet ist.

Was zeichnet ein gutes Infrarotpaneel aus?

  • Es ist stabil gebaut.
  • Der Hersteller gibt eine lange Garantielaufzeit (5 Jahre ist fast Standard).
  • Die Oberfläche weist eine gute Strahlungs-Emission auf und besteht z.B. aus pulverbeschichtetem Stahl oder Keramik
  • Die Wärme sollte zum Großteil nach vorne abgegeben werden. Das bedeutet eine gute rückseitige Dämmung des Paneels.
  • Bei der Steuerung sollte Temperatur und Zeit programmierbar sein.
  • Sinnvoll ist eine Fernsteuerung (z.B. Smart Home oder über Internet).

Was kostet der Ersatz von Nachtspeicheröfen durch eine Infrarotheizung?

Bei einer Wohnungsgröße von 100 m² muss mit rund 10.000,- Euro gerechnet werden. Sind elektrische Nachtspeicheröfen in die Jahre gekommen und die Investition in ein wassergeführtes Wärmeabgabesystem (z.B. Radiatoren oder Fußbodenheizung) ist aufwändig und mit hohen Kosten verbunden, kann der Ersatz durch Infrarotpaneele eine sinnvolle Alternative sein. Vergleichsweise haben Infrarotpaneele einen höheren Strahlungsanteil, sind flinker in der Aufheiz- und Abkühlphase und platzsparender. Nachteilig kann sich auswirken, dass der vermehrte Strombezug untertags zu etwas höheren Stromkosten führt.

Noch Fragen zur Infrarotheizung? Weitere Informationen und Beratung

Grundlagen zur Heizungswahl und die Möglichkeit, die Vollkosten (Anschaffung, Wartung und Betrieb) von Heizsystemen zu vergleichen, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Neutrale Beratung zur Infrarotheizung in Vorarlberg

Für Ihre persönlichen Fragen rund um die Infrarotheizung stehen Ihnen unsere Energieberater am Energietelefon kostenlos und produktneutral zur Verfügung. Sie erreichen sie von Montag bis Freitag jeweils von 8:30 bis 12 Uhr unter 05572 / 31 202-112 oder per Mail an energieberatung@energieinstitut.at.

Neutrale Beratung zur Infrarotheizung außerhalb Vorarlbergs

In den weiteren Bundesländern stehen Ihnen folgende Beratungsstellen für herstellerunabhängige Auskünfte zur Verfügung:

TirolEnergie Tirol
SalzburgLand Salzburg
OberösterreichÖO Energiesparverband
NiederösterreichEnergie- und Umweltagentur NÖ
WienDie Umweltberatung
BurgenlandLand Burgenland
SteiermarkLand Steiermark
KärntenLand Kärnten