Langenegg‘s Kurs in die Energiezukunft
Langenegg ist e5-Gemeinde der ersten Stunde und bereits seit 1998 Teil der e5-Familie. Auszeichnungen wie der European Energy Award in Gold 2004 als erste Gemeinde Vorarlbergs, als Klimaschutzgemeinde 2009 oder 30 Jahre aktives Mitglied im Klimabündnis Vorarlberg und vieles mehr begleiten die Vorderwälder Gemeinde auf ihrem Weg in die Energiezukunft.
Langenegg ist einer der Pilotgemeinden im e5-Programm und seit 27 Jahren dabei. Damals waren viele Themen, die heute selbstverständlich sind, noch Zukunftsmusik. Im Fokus standen Abfallvermeidung, Stoffwindeln, Recyclingquoten, saurer Regen oder Treibhausgasemissionen aus Verkehr und Industrie, aber auch umweltfreundliche Heizsysteme standen bereits zur Diskussion.
Gebäudebestand in Passivhaus-Qualität
Schon früh hat die Gemeinde auf energieeffiziente Neubauten und Sanierungen gesetzt. Der Kindergarten wurde vor 21 Jahren gebaut, damals mit dem Ökoleitfaden – quasi ein Vorläufer des Kommunalen Gebäudeausweis. Der KGA-Beschluss wurde 2013 gefasst. Sechs von acht kommunalen Gebäuden sind heute mit Passivhaus-Standard auf höchstem energetischen Niveau darunter Dorfladen, Dorfcafé, Volksschule, Dorfsaal oder Kleinkindbetreuung.
Mario Nußbaumer ist bereits 27 Jahre lang, seit Langenegg‘s e5-Betritt, in der Gemeinde aktiv „Der mustergültige kommunale Gebäudebestand“, sagt der e5-Energiebeauftragte, „kommt Langenegg bis heute zugute. Früher galt Langenegg als arme Gemeinde. Oft wurden wir gefragt, wie wir uns den Passivhaus-Standard überhaupt leisten konnten. Unsere Antwort lautete stets: Wir haben Holz aus der Region – wir können uns keine andere Bauweise leisten.“
"Wir können uns keine andere Bauweise als Passivhaus-Standard leisten."
Mario Nußbaumer, e5-Energiebeauftragter Gemeinde Langenegg
Fossilfreie Wärmeversorgung & LED-Straßenbeleuchtung
Dank der neuerlichen Sanierung der Nahwärmeanlage mit unter anderem zwei neuen Biomasse-Heizkesseln kann die Gemeinde ihre kommunalen Gebäude bereits seit 2019 mit nachhaltiger Wärme versorgen. Das Heizwerk wird mit 100 Prozent Holz aus der Region betrieben und – und von Mai bis September geschlossen. Dann wird die Warmwasserversorgung der gemeindeeigenen Gebäude mit der vorhandenen Solarthermie – wie zum Beispiel 65 Quadratmeter auf dem Gemeindeamt – abgedeckt.
In den vergangenen drei Jahren wurde auch die Straßenbeleuchtung auf der Landesstraße erneuert und ist nun vollständig auf nachtabgesenkte LED umgestellt.
Eigenversorgung mit regionalem Strom
Auch bei der Stromversorgung ist Langenegg gut aufgestellt. Alle kommunalen Dächer sind bereits mit Photovoltaik bestückt. Im September 2025 wurde eine große 95 kWp-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Dorfladens mit Bürgerbeteiligung umgesetzt. Seither ist die Gemeinde in der Lage, ihren kommunalen Strombedarf vollständig aus eigenen erneuerbaren Energiequellen zu decken. Was nicht verbraucht wird, wird in die erneuerbare Energiegemeinschaft (EEG) eingespeist.
Wälderstrom im Vorderwald etabliert
Der Verein „EEG Vorderwald“ wurde im Jahr 2021 von den Gründungsmitgliedern Langenegg, Hittisau und Sibratsgfäll ins Leben gerufen. Ziel ist, den Ökostromausbau in der Energieregion Vorderwald auszubauen. Heute ist die EEG Vorderwald unter der Marke „Wälderstrom“ als wichtiges Instrument zum Stromteilen etabliert. Mittlerweile gibt es 340 Zählpunkte mit über 130 Mitgliedern, darunter die neun Vorderwälder Gemeinden, die EEG ist aber auch für Private, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe geöffnet. Seit der Öffnung der Energiegemeinschaft im Februar 2025 hat sich die Erzeugung von regionalem PV-Strom auf 2.400 kWp verdreifacht. Damit könnten bereits 685 Haushalte versorgt werden. Nicht zuletzt sorgt das erste Lastmanagementprojekt der EEG Vorderwald beim Trinkwasserpumpwerk Lingenau/Langenegg dafür, dass Stromverbraucher künftig nur dann zugeschaltet werden, wenn ein Stromüberschuss in der Gemeinschaft besteht. Während die Pumpen früher nachts mit günstigerem Stromtarif betrieben wurden, schalten sich heute mit dem neuen System eine oder zwei Pumpen automatisch ein, sobald tagsüber überschüssiger PV-Strom verfügbar ist.
"Als e5-Gemeinde sehen wir es als unsere Aufgabe unsere Bürger*innen für eine nachhaltige Zukunft zu sensibilisieren, zu begeistern und zu beteiligen."
Bürgermeister Thomas Konrad, Gemeinde Langenegg
Bürgerbeteiligung & Sensibilisierung
Projekte wie erlebbare Energieportale, Blühendes Langenegg, Magerwiese mit Insektenhotel, Pflanzaktionen zur Förderung der Artenvielfalt, Brennholzbörse und vieles mehr sensibilisieren auch die Bürger*innen für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Dazu zählen auch Energieberatungen der Gemeinde über ökologische Baustoffe, effiziente Heizsysteme oder regelmäßige Vorträge zu Sonnenstrom oder Raus-aus-Öl-und-Gas. "Mit unseren Ressourcen und unserer Umwelt verantwortungsvoll umzugehen, das ist der Gemeinde Langenegg ein großes Anliegen. Als e5-Gemeinde sehen wir es daher als unsere Aufgabe unsere Bürger*innen für eine nachhaltige Zukunft zu sensibilisieren, zu begeistern und zu beteiligen", so Thomas Konrad, Bürgermeister von Langenegg.
MissionZero Langenegg
Trotz aller Aktivitäten gibt es noch genug zu tun. Im vergangenen Jahr hat Langenegg den Beschluss zu MissionZero, also zur klimaneutralen Verwaltung, gefasst. Eigentlich fast schon ein symbolischer Akt, zählt Langenegg doch zu jenen wenigen Gemeinden Vorarlbergs, deren Gebäude und Anlagen inklusive der Spitzenlast schon fossilfrei sind. Ziel ist nun, weitere Potenziale auszuloten, wie zum Beispiel die kommunalen CO2-Emissionen im Bereich der Mobilität. Insbesondere beim Radverkehr hat die Gemeinde im Zuge des regionalen Radroutenkonzepts bereits die Grundlagen für die beiden zentralen Radwegeverbindungen in die Nachbargemeinden Lingenau und Krumbach ausgearbeitet - die Umsetzung ist vorerst bis 2028/29 anvisiert.